Collenberg. Jedem bekennenden Bogenschützen dürfte dieser Ort mehr als bekannt sein. Nicht nur, dass sich dort ein liebevoll gestellter wunderschöner Parcours befindet, nein, auch das Jagdturnier ist ein Begriff. Für mich war es dieses Jahr das 1. Mal, dass ich dabei sein durfte. Das Turnier war innerhalb von 2 Stunden ausgebucht!!! Ich hatte schon viel von diesem Turnier gehört und scheute daher auch nicht die weite Anreise (2,5 h Fahrt) am Vorabend, um meinen eigenen Eindruck zu gewinnen. Ich war also mehr als gespannt.
Um 8:30 Uhr war ich bereits vor Ort, stellte mein Gerödel ab und besorgte mir nach der Anmeldung erstmal einen Kaffee zum Aufwärmen. Es war schweinekalt. Mit Kaffee bewaffnet stellte ich mich dann an das Lagerfeuer. Dort traf ich die ersten FAler Achim und Martin auf ein kurzes Hallo und Pläuschen. Der Platz vor dem Schützenhaus füllte sich zunehmend und ich beobachtete etwas das bunte Treiben. Nach dem Kaffee ging ich zum Einschießplatz hinter dem Schützenhaus, um mich warm zu schiessen, bis wir gerufen wurden. Kurz nach 9 Uhr gab es dann eine Begrüßung u.a. durch den Bürgermeister. Danach wurden die Gruppen ihren Guides zugeordnet und wir marschierten los.
Die Bogen standen Spalier in Reih und Glied
Begrüßung durch den Bürgermeister
Nach einem ca. zwanzigminütigen schweißtreibenden Marsch bergan über Streuobstwiesen war meine Gruppe 23 an ihrem Ziel angekommen. Eine Hirschfamilie erwartete uns am Waldrand. Ziel um Ziel kämpften wir uns voran. Geier, Hasen, sogar ein Saurier warteten auf uns.
Thomas, den Saurier fest im Blick
Auf unserem Weg nach unten in Richtung Schützenhaus, unserer 1. Dopingstation, gab es einen interessanten Weitschuß auf ein Bison, welches über einen "Taleinschnitt" hinweg am gegenüberliegenden Hang stand. Eine interessante Sache. Hatten wir bisher Ziele, die eher in jagdlichen Entfernungen standen, so mußte man jetzt sein Können auch auf weiten Entfernungen unter Beweis stellen. Ich verschätzte mich prompt und brauchte 3 Pfeile. Ein echter Frust, zumal ich solche Schüsse eigentlich liebe. Aber keiner aus meiner Gruppe hatte bei diesem Ziel so richtig Glück. Egal, Abhaken und zum nächsten Ziel. Dem Murmeltier. 1000 Mal geschossen, aber was macht Jürgen??? Kill auf dem 3.Pfeil. Peinlich! Nochmal Abhaken und weiter. Beim Wolf danach ein Kill auf dem 1.Pfeil und alles passte wieder. Dann war erstmal Pause angesagt. Ich bestellte mir an der Dopingstation 2 Paar "Collenberger Scharfe". Was war das?? So richtig konnte mir, als "Ausländer", der Kollege an der Kasse nicht erklären, was das genau sei. Na gut, man ist ja aufgeschlossen und experimentierfreudig. Es stellte sich heraus, dass es eine Art scharfe Debriziner waren, die kurz angebraten wurden. Geschmacklich sehr gut und sehr zu empfehlen. Während ich mich über meine Würste hermachte, versuchte Thomas am Tisch "ein A...geweih" zu fotografieren, welches er entdeckt hatte. Allerdings ohne Glück. Noch kurz einen Zigarillo und ein Pläuschen mit Manfred von Ma-Rei, der mir seine neueste Kreation, einen verstellbaren Schießhandschuh, zum Testen überließ (Bericht folgt noch, lieben Dank Manfred), und dann ging es weiter. Was nun an Zielen kam, war nicht von schlechten Eltern. Ich war tief beeindruckt. Die Collenberger hatten sich wirklich was einfallen lassen, um es uns so richtig schwer zu machen. Bestes Beispiel, der Schuß auf den Luchs durch eine "Schießscharte" aus Bäumen und Ästen. Aber seht selbst.
Durch diese "hohle Gasse" (Das kleine Loch links vom Schützen) mußte der Pfeil
Auch diesen Schuß gemeistert und weiter ging es über den inzwischen von Bäumen zugewachsenen ehemaligen Weinberg. Nur noch Reste von Terrassenanlagen und Steinmauern wiesen darauf hin, dass hier mal Weinbau betrieben wurde. Als wir wieder im Tal waren und uns in Richtung Bachlauf bewegten, traute ich meinen Augen nicht. Wer saß denn da mitten auf der Wiese unter einem Sonnenschirm? Schon wieder eine Dopingstation?? Beim näheren Betrachten konnte ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen. Man hatte eine angelnde Puppe unter einen Schirm gesetzt und daneben warteten gierig die Reiher auf ihre Beute. Ein klasse Szenario.
Der besagte Angler - einfach super
Im Bach waren übrigens 2 Kästen mit gekühlten Getränken vorbereitet. Bei diesen Temperaturen, es waren um die gefühlten 24 Grad, eine willkommene Erfrischung. Top!!! Aber ich sollte aus dem Staunen nicht mehr herauskommen. Wir bewegten uns dem Bachlauf entlang durch das Tal und kamen schließlich zu einer Suhle, wo sich eine Rotte aus (ich glaube 12!) Wildschweinen suhlte. Ein affenstarkes Bild. Ideal, um ein Gruppenbild zu machen.
Gruppenbild mit Dame inmitten der Wildschweinrotte
(v.l.n.r. Holger, Doris, Ich (stehend!), Frank, Robin, Thomas)
Zwischendurch mußten noch diverse Tiere, wie Echsen oder Baumschlangen, etc. erlegt werden. Alles beindruckende Schüsse. Einfach passend in die Landschaft gestellt. Toll.
Eines meiner Lieblingsziele war aber der stehende Bär. Geschätzte 30m bergab über einen Bach hinweg. Hört sich leicht an, war es aber nicht. Ich musste als Erster ran. Also konzentriert, ausgezogen und Kill! Ein befreiendes YES verließ meine Lippen. Anerkennendes Schulterklopfen der Anderen war meine Belohnung. Was für die Fairniss und Stimmung in der Gruppe sprach. Wow. Aber seht selbst.
Beim anschließenden Photoshooting verzeihte mir der Bär dann das Kill und ließ sich von mir liebevoll umarmen. Man beachte übrigens unten das "Frauenkill", das allerdings von einem Mann geschossen wurde. Wer, wird nicht verraten. Zwischendurch gingen mir die Trinkvorräte aus und ich füllte meine Flasche mit kühlem Wasser aus dem Bach aus, welches herrlich erfrischend und wohlschmeckend war. Das nur so am Rande. Die Überraschungen nahmen kein Ende. Wieder in den Wald hinein, standen wir plötzlich vor einer riesigen Spinne. Eine unheimliche Szene.
Das riesige Spinnennetz
So langsam machte sich aber bei uns auch die Müdigkeit breit. 35 Ziele an einem Tag auf eine Parcourslänge von ca. 6 km bei über 20 Grad sind auch nicht ohne. Zum Glück näherten wir uns der 2. Dopingstation "Willi's Hütte", um noch mal Kraft für die letzten Ziele zu tanken. Wieder am Schützenhaus angekommen, traf ich dann noch weitere FAler und andere Bekannte. Alle waren irgendwie von diesem anstrengenden Turnier gezeichnet. Kurz mein Gerödel weggepackt und dann noch auf die Siegerehrung warten. Nach 1 Stunde standen dann die Ergebnisse fest. Für mich sprang am Ende ein 10.Platz von 57 Teilnehmer in meiner Klasse heraus, mit dem ich hoch zufrieden war. Natürlich hätte man den einen oder anderen Schuß besser machen können, aber was soll's. Es hat einfach riesigen Spaß gemacht und das zählt.
Ich möchte mich an dieser Stelle bei den Collenbergern für ein super tolles Turnier bedanken und natürlich bei meiner Gruppe 23. Es hat Spaß gemacht mit euch zu schiessen. Hoffentlich schaffe ich es im nächsten Jahr wieder dabei zu sein. Collenberg ist allemal eine Reise wert und es war eines der schönsten Turniere, die ich bisher geschossen hatte. Lieben Dank dafür.
Bis dahin.
Euer Jürgen

