4. JBT Tatinowi Dodenau 2010

.... vielen Dank an Achim von Rittersbow für die Schalte und Überleitung. Dein Bericht war wie immer Spitzenklasse.....

Kommen wir nun zu meinem Bericht über das mir bis dato unbekannte und sagenumwobene Turnier der Tatinowis aus Dodenau. Wenn man den vielen Erzählungen folgt, dann hört man immer wieder "Der Geist von Neubrunn lebt in Dodenau wieder auf." Das würde heissen: Lagerfeuer- und Zeltromantik, liebgewonnene Freunde treffen und Bogenschiesen, Bogenschiessen, Bogenschiessen......  Mal sehen, was an den Erzählungen und Legenden dran ist, dachte ich mir.

Freitag, 11.06.2010, Die Anreise

Freitag Nachmittag packte ich also mein Auto und begab mich auf die Autobahn in Richtung Dodenau in Hessen. Vor mir lagen 290 km und ca. 3 Stunden Fahrt. Jetzt mag so mancher denken: "Der hat sie doch nicht mehr alle im Geschirrschrank." Ok, kann gut sein, aber "Versuch macht kluch.". Nach ca. 200 km gemütliche Autobahn leitete mich mein Navi bei Alsfeld von der Autobahn runter. Auf der Anzeige stand: "Reststrecke 75 km". Hmmm, gab es denn keine Ausfahrt, die näher dran lag??? Die ersten kalten Schweißperlen versammelten sich auf meiner Stirn. Die Fahrt ins Ungewisse begann. Umgestürzte Bäume und heruntergefallene Äste säumten die Strecke. Die Orte wurden immer kleiner und lagen immer weiter auseinander. Wo führte mich diese Straße hin??? Gab es überhaupt ein Ziel oder würde ich am Ende der Welt einfach über die Kante stürzen?? Die Welt ist ja bekanntlich eine Scheibe. Ich wußte es nicht. Noch 10 km. Umleitungschilder. Kein Hinweis auf den Ort Dodenau. Oje. Was nun?? Da!! Ein Schild!! Dodenau 5 km. Ich traute meinen Augen nicht. Weiter ging es auf einer kurvenreichen unbelebten Strecke. Ein Ort kam in mein Blickfeld. Das Ortsschild verkündigte mein Ziel: "Dodenau". Ich war da und am Leben. Puhhhhh. Was für eine Fahrt. Ich suchte das Hotel, welches ich gebucht hatte und checkte erstmal ein. Danach machte ich mich auf die Suche nach den anderen FAlern, die die Herausforderung, im Gegensatz zu mir, angenommen hatten, auf dem Zeltplatz zu nächtigen. Nach 5 min hatte ich den Zeltplatz gefunden. Gleich am Eingang traf ich Thomas (Katur) den Organistator, der mich herzlich begrüßte. Danach machte ich mich auf meine Begrüßungstour über den Zeltplatz. Sorry, Achim, dass ich dich bei meinem 1. Rundgang übersehen hatte. Das Ende dieser Tour war das "Archers Paradise Reloaded" auf der unteren Wiese nahe der Eder. Es standen bereits einige Zelte und die aus Neubrunn gewohnten Pavillions. Die "Bewohner" waren wie immer gut gelaunt und hatten es sich bereits gemütlich gemacht. 

 Stefan, immer gut gelaunt

Zwischendurch bekam ich mit, dass sich Armin und Dagi wohl verfahren hätten. Warum wohl? Armin hatte meinen Kasten Fässla Bier im Auto und ich sah meine Hoffnungen auf ein kühles Bamberger Bier schwinden. Pit war so nett und half mir mit einem "Mönchshof" und etwas Gegrillten aus. Lieben Dank. Irgendwann trafen dann auch mein Bier und unsere Vermissten ein. Anscheindend hatte sie der Duft von Gegrillten zu diesem Zeltplatz gelockt. Bei lockeren Gesprächen und Bier ließ ich dann den Abend ausklingen und machte mich gegen 23:30 Uhr auf den Weg ins Hotel. Ich war müde und schließlich durfte ich ja am nächsten Tag um 6:30 Uhr aufstehen. Ich wollte ja um 8 Uhr bei der Anmeldung sein.

Samstag, 12.06.2010, Das Turnier

Um 7 Uhr war Frühstück vereinbart, also fix die Treppe runter und Tür zum Frühstücksraum auf. Rums. Tür geschlossen! Hmmm. "Was tun??", sprach Zeus. Zurück ins Zimmer und der Dinge geharrt. Gegen 7:30 Uhr konnte ich dann endlich frühstücken, allerdings im Turbogang, da ich ja zur Anmeldung wollte. Es fing an zu regnen. Auto auf der Wiese geparkt und zwar so, dass ich auch bei Regen wieder von dieser runterkomme.n würde. Ein 2. Helmstadt-Desaster sollte es diesmal nicht geben. Man lernt ja dazu. Gerödel gepackt und los ging es zum Anmeldeplatz, der schon gut gefüllt war. Ich hatte die hoheitliche Aufgabe die Familie Schütz, Armin und mich als Gruppe einzutragen. Da ich spät dran war, blieb nur noch Gruppe 19. Was sich im Nachhinein als nicht schlimm entpuppte, da das Ziel 19 relativ nahe am Ausgangspunkt war. Auf dem Platz traf ich noch weitere FAler, die ich am Vorabend wohl übersehen hatte. Pünktlich um 9:15 Uhr hielt Thomas sein "Morgengebet" und dann ging es ab in den Parcours. 


Ich will euch jetzt nicht mit Details langweilen, nur soviel, es war knackig gestellt, teilweise weit, teilweise, wenn nah, dann mit irgendwelchem Grünzeug im Weg. Besonders schön fand ich Schüsse, wie den durch eine Röhre auf einen Falken oder durch das Loch einer Tarnwand. Auch der Schuss auf den Stahleber (nur das Kill war weich, gab aber doppelte Punktzahl), dem ich einen Pfeil opferte oder die Sonderwertung "Schiessen mit der anderen Hand als der Schusshand auf einen unbekannten Bogen mit sicherlich nicht perfekt ausgespinten Pfeilen auf eine Fitascheibe, waren durchaus interessant. Ich muß an dieser Stelle erwähnen, dass ich mich dabei wie der "Letzte Idiot" angestellt habe. Einige hatten es sofort drauf, meinereiner "Null Plan". 

Wo ist das Ziel bzw. das Kill
Der Kniefallschuss

Ein Kyudo-Schütze war auch dabei

Auch der Nachwuchs war am Start

Das Turnier ist ergebnistechnisch für mich alles andere als gut gelaufen. Woran es lag?? Keine Ahnung. Ich würde sagen: "Einfach schlecht geschossen." Dennoch hat es mir gut gefallen und viel Spaß gemacht. Ich versuche nächstes Jahr wieder dabei zu sein.

Zum Schluß, die übliche Danksagung:

Mein Dank gilt Andrea und Thomas mit ihrem Team von Tatinowi für die super Orga und das schöne Turnier, meiner Gruppe 19, mit der es, trotz Regenschauer, ein schöner Tag geworden ist. Lieben Dank auch an alle FAler die ich getroffen und auch nicht getroffen habe. Beim nächsten Mal erkennen wir uns bestimmt. Ich sollte vllt. doch mal über einen FA-Aufkleber auf dem Auto nachdenken. Besonders freue ich mich auch für Michi, der nach lang harten Wettkampf mit seinem Papa Stefan, auf der Zielgeraden die Nase vorn hatte und sich somit bald auf seinen neuen Bogen freuen kann. Glückwunsch an dieser Stelle.

Das wars. Ich hoffe es hat euch gefallen und die Tatinowis/Dodenauer verzeihen mir meine Schreibe. Ihr wisst ja wie ich es meine. Gelle? Ich würde mich über ein paar Kommentare sehr freuen. So weiss ich wenigstens, dass ich diese Berichte nicht nur für mich schreibe, sondern auch für meine hoffentlich zahlreiche Leserschar.

Euer
Jürgen

Ach ja. Die Bilder sind von Armin und unterliegen natürlich, wie üblich, seinem Copyright. Danke Armin.

Dienstag, 15. Juni 2010

EBHC 2010 - Mein Tagebuch

Vorwort

Vom 24.05 - 28.05.2010 fand in Stuhlfelden in Österreich die EBHC 2010 (European Bow Hunter Championship) statt. In diesem Tagebuch berichte ich meine persönlichen Erfahrungen, die ich mit Land und Leuten in diesen Tagen gemacht habe. Für mich war es einerseits eine wichtige Erfahrung in meinem noch jungen Bogensportleben und andererseits ein gesellschaftliches Ereignis, wo ich mit Gleichgesinnten aus 16 Nationen dem Hobby Bogensport frönen konnte. Natürlich kann man das auch auf den hiesigen Turnieren haben, aber eine Europameisterschaft setzt dem Ganzen noch etwas drauf, Gänsehaut inklusive.

Freitag, 21.05.2010 - Anreise und Bogenkontrolle

Um 8 Uhr früh brachen Dagmar und ich Richtung Stuhlfelden auf. Wir wollten gegen Mittag unten sein, da ich  am Nachmittag die Bogenkontrolle hinter mich bringen wollte, bevor das Gedränge an den folgenden Tagen los ging. Nach 4 Stunden Fahrt erreichten wir das beschauliche Dörfchen Stuhlfelden im Salzburger Land und unser Hotel "Flatscherwirt". Mir war der Ort und das Hotel ja schon vom letzten Jahr bekannt, als ich hier zum Vorbereitungsseminar war. Kaum das Hotel betreten, spring mir sofort ein bekanntes Gesicht entgegen. Klaus (Lützenkirchen) und seine Frau Martina waren zum Mittagessen in unserem Hotel gekommen, um uns quasi "abzufangen". Nach einem großen "Hallo" vereinbarten wir ein Treffen im Zelt um 15 Uhr zur Bogenkontrolle.  Dagmar war müde von der Fahrt und blieb im Hotel. Ich dagegen machte mich mit meinen 2 Bogen auf zum Festzelt. Den 2. Bogen hatte ich mir kurzfristig von Christoph Unger von Bearpaw geliehen, damit ich einen Ersatzbogen für alle Fälle dabei hatte. Vielen Dank an dieser Stelle für das kostenlose Ausleihen. Ich habe euch einen kleinen Obulus für die Kaffeekasse da gelassen. Aber zurück zum Geschehen in Stuhlfelden. Die Uhrzeit 15 Uhr stellt sich als obsolet heraus, da die Verantwortlichen von der IFAA mit sämtlichen Unterlagen irgendwo im Stau steckten. Warten war angesagt. Naja, erstmal nen Kaffee. 2,60 Euro für eine Tasse schwarzes Wasser hob mich fast aus den Schuhen. Wenn ich sie nicht gut geschnürt hätte, würden sie heute noch einsam vor dem Tresen stehen. Das Zelt wurde langsam voller und immer mehr Bogenschützen trafen ein. Irgendwann gegen 16:30 Uhr war es dann endlich soweit. Klaus und ich stellten uns hinten an. Zwischenzeitlich teilte jemand Zettel aus, die wir vorab ausfüllen sollten. Wie sollte das gehen? Ich hatte 2 Bogen in der Hand und nichts zum Schreiben dabei. Dank Ralph nahmen wir auch diese Hürde. Nach einer weiteren halben Stunde hatten wir es zum 1.Tisch geschafft. Dort war aber nicht die Bogenkontrolle, sondern erst die Registrierung. Hmmm. Um die Ecke rum sah ich dann weitere Schlangen oder soll ich besser sagen Gedränge vor einer langen Reihe Tische. Wir stellten uns an, bis jemand sagte, als wir fast vorne waren: "Hier bitte nur Langbogen. Recurve sind dort drüben!" Bitte????? Nirgendwo ein Hinweis, an welchem Tisch, welche Bogen geprüft wurden. Raus aus der Schlange, an die hoffentlich Richtige hinten an gestellt. Jetzt denkt mal nicht, dass es nun besser ging. Im Gegenteil. Wir waren brav hinten an, aber vorne drängelten sich andere, mangels Absperrungen, einfach rein. Zu allem Überfluß krachte auch noch der Zeltboden unter unseren Füßen ein. Mein Blick ging zur Seite der Visierschützen, wo die Prüfer Däumchen drehten. Warum lies man uns nicht rüber? Nach mehrmals Nachfragen hatte man Mitleid mit uns und wir konnten endlich auf die andere Seite wechseln. Dort ging es mit der Kontrolle recht zügig voran. Ich sagte zu Klaus: "Jetzt haben wir uns aber ein Bier verdient.". Einen der freien Tische gekrallt und erstmal angestoßen. Zwischenzeitlich gesellte sich noch Bogdan zu uns, der ebenso mit einem freudigen "Hallo" empfangen wurde. Nach dem Bier begaben wir uns ins Hotel zum Abendessen. Abends machten Dagmar und ich noch einen kleinen Spaziergang in Zelt und gingen danach früh ins Bett.

Samstag, 22.05.2010 - Der Parcours in Matrei

Aufgrund eines heissen Tipps von Lutz hatten wir uns am Morgen verabredet, um auf den Parcours nach Matrei zu fahren. Matrei lag unmittelbar hinter dem Felbertauern-Tunnel auf der anderen Seite. Dort sollte es im Gegensatz zu Stuhlfelden sehr sonnig sein, also ideal für einen Ausflug. Gegen 10 Uhr brachen wir von Stuhlfelden auf und erreichten 45 min später Matrei. Wie angekündigt, Sonne pur. Ich muß sagen, landschaftlich einer der schönsten Parcours, die je gesehen hatte. Der Weg führte über Almwiesen in Serpentinen den Hang hinauf. Von überall hatte man den Blick auf ein herrliches Panorama aus grünen Wiesen und schneebedeckten Berggipfeln. Traumhaft. Stephan, Alexander und Anna-Lena aus Sonneberg in Thüringen gesellten sich später auch zu uns. Mein Ergebnis an diesem Tag war allerdings alles andere als traumhaft, zumal ein starker Wind ging und so manchen Pfeil "verwehte". Mir kamen langsam die Bedenken, ob ich mir mit der EBHC nicht zu viel vorgenommen hatte. Fazit an diesem Tag: 2 geschrottete Carbonis.  Fing ja toll an. Gegen 18 Uhr ,mit einem kleinen Zwischenstopp in einem Biergarten, kamen wir dann wieder in Stuhlfelden an. Abendessen und danach der obligatorische Zeltbesuch. Immer mehr neue Bekannte trafen ein. Gegen 21:30 Uhr ging es für die Männer noch in die Schlösselstube auf einen Absacker, wo wir auf Udo (Master Rabenstein) trafen. Eine Stunde später war Bettzeit angesagt. Der Tag war anstrengend gewesen. Wir verabredeten uns noch zu einer Trainingsstunde am nächsten Morgen auf dem unteren Einschießplatz und verabschiedeten uns.



Sonntag, 23.05.2010 - Einzug der Nationen und Eröffnungsfeier

Nach einem ausgiebigen Frühstück machte ich mich auf zum unteren Einschießplatz, wo ich mit Klaus, Bogdan und den Sonnebergern verabredet war. Ich schoss mich auf verschiedene Distanzen ein und siehe da, die Schwäche vom Vortag war plötzlich wie weggeblasen. Bis 35m die gewohnten sauberen Gruppierungen, allerdings ab dann haperte es mit der Treffergenauigkeit. Zu allem Überfluss schrottete ich den nächsten Carboni beim Schuß auf die 50m-Scheibe. Prima. Zum Glück war ich mit 30 Pfeilen nach Stuhlfelden gereist. Versöhnlich stimmte mich Martina, die ein vierblättriges Kleeblatt gefunden hatte und es mir als Glücksbringer schenkte. Ich steckte es mir sofort an den Hut und später im Hotel hab ich es dann zwischen Buchseiten gepresst. So hab ich bis heute ein Andenken an die EBHC. Nach dem Mittagessen, wir hatten das Abendessen auf Mittag vorgezogen, da es für die Schützen kostenloses Essen am Abend gab, ging es zum zentralen Treffpunkt der Bogenschützen in der Mitte des Ortes, wo man sich nach Ländern getrennt aufstellte. Der "Einzug der Nationen" stand an. Vorne weg marschierten verschiedene Trachtengruppen und eine Blaskapelle und dahinter kamen die einzelnen Nationen. Deutschland war mit über 400 Teilnehmer das stärkste Feld. Der Marsch durch die Straßen, gesäumt mit vielen Zuschauern, die Beifall klatschten ,hinter der deutschen Fahne, war unbeschreiblich. Gänsehaut pur und ab und an verirrte sich ein Freudentränchen im Augenwinkel. Ich werde das Gefühl nie vergessen. Endstation war das Festzelt, das am Ende mit hunderten von Bogenschützen, Ehrengästen und Zuschauern gefüllt war. Überall wurden die Fahnen der einzelnen Nationen geschwenkt. Eine irre Kulisse. Die Stimmung gigantisch. Es gab verschiedene Begrüßungsreden und dann fiel der berühmte Satz, gesprochen von Steve Kendrick, dem Vizepräsidenten der IFAA: "I declare the EBHC open.....". Gejohle und Applaus branden auf. Jetzt war es offiziell und ich war dabei. Nach Buffet, Bier und Wein ging es dann gegen 20 Uhr zurück zum Hotel. Schließlich war am nächsten Tag unser 1.Turniertag und wir wollten ausgeruht sein.

 Die Trachtengruppen beim Einmarsch

Montag, 24.05.2010 - 1.Turniertag - Parcours "Stuhlfelden" - 3-Pfeil-Runde

Nach einer unruhigen Nacht, Dagmar weckte mich mitten in der Nacht auf, weil sie dachte, ich hätte den Wecker nicht gehört und würde verschlafen, aber es entpuppte sich lediglich als Traum, stand ich um 6:30 Uhr auf. In Frühstücksraum hatte sich bereits einige Schweizer versammelt und begrüßten den Tag lautstark. Nach dem Frühstück ging ich kurz zum Einschießplatz, um mich aufzuwärmen und meine Muskulatur in Gang zu bringen. Um 8:15 Uhr war das Briefing im Festzelt. Ich kam aufgrund der alphabetischen Einteilung in Gruppe 14. Was ich allerdings erst später auf dem Weg zu Ziel 14 erfuhr, war, dass die Nummer 14 so ziemlich am äußersten Zipfel des Parcours lag. So ging es schweißtreibend den Steilhang hoch und dann an der Dopingstation vorbei zu Ziel 14. Dort angekommen hatte ich bereits 2 Liter Wasser verloren. Zum Glück hatte ich genügend zu Trinken im Rucksack. Ich war fix und alle. Weiter hieß es, Schießbeginn sei um 10 Uhr. Ein Blick auf die Uhr verriet uns, 45 min warten. Einerseits gut, weil man wieder zu Atem kommen konnte, andererseits schlecht, weil man wieder auskühlte. Zudem war auf dem Parcours striktes Rauchverbot. Also nix mit Beruhigungszigarillo. Pünktlich um 10 Uhr ging es dann los. Ich will euch jetzt nicht mit Einzelheiten langweilen, nur soviel, alle Ziele waren knackig gestellt und fast alle auf Maximaldistanz. Fast nur Bergauf- oder Bergabschüsse, im Wald, also auch auf freien Feld. Ich schlug mich tapfer und machte lediglich beim stehenden Reh auf 45m mein einziges Out, sodass man Ende 454 Punkte standen und Platz 2 in meiner Gruppe. Ein super Auftakt. Am Abend erfuhr ich dann auch, dass ich in der Rangliste auf Platz 84 war. Ein breites Grinsen wollte den ganzen Abend mein Gesicht nicht verlassen. Klaus konnte sich über seine Platzierung nicht so richtig freuen, aber im Laufe des Abends hellte sich auch seine Miene auf. Es kamen ja noch 3 Tage und es konnte sich noch soviel ändern.

 Gruppe 14 am 1.Tag

Dienstag, 25.05.2010 - 2.Turniertag - Parcours "Hohe Tauern" - 3-Pfeil-Runde

War es am Montag früh noch diesig und neblich, begrüßte mich der Dienstagmorgen mit strahlendem Sonnenschein. Das übliche Prozedere, Frühstück, Einschießplatz, Briefing und dann Marsch zum Parcours. Ich war aufgrund der erneuten alphabetischen Einteilung in Gruppe 15 gelandet, wo ich nahezu die gleichen Schützen vom Vortag traf. Eigentlich sollten ab den 2.Tag die Gruppeneinteilungen über die Platzierungen erfolgen, aber irgendwie war da wohl was am Vorabend beim Organisationskomitee schief gelaufen. Diesmal war die Nummer 15 ein Glücksgriff, denn sie war gleich am Anfang vom Parcours. Schweißtreibendes Laufen zum Startpunkt unterblieb somit, zumindest für's Erste. Im Laufe des Tages erwies sich der Parcours nämlich bei brütender Sonne als nicht allzu freundlich. Wir hatten die Feldrunde am Anfang erwischt und die lag ausgerechnet am Steilhang. Hatten wir uns am 1.Tag Zug und Zug auf die Entfernungen eingestellt, so wartete eine neue Überraschung auf uns. Fast alle Tiere der Kategorie 1-3 waren auf Max gestellt. Die Ergebnisse der einzelnen Schützen spiegelte das wieder. Viele sackten in den Punkten im Vergleich zum Vortag um 70-80 Punkte ab. Am Ende konnte ich mit 4 Outs zumindest noch 388 Punkte verbuchen, was mich allerdings auf Platz 116 abrutschen lies. 32 Plätze verloren. Heftig. Mir fehlten 15 Punkte zur TOP 100. Das sollte doch zu machen sein. Klaus hingegen verbesserte sich auf Platz 186. Toll. Wie jeden Abend trafen wir uns abends auf 1,2,... Radler oder Bier im Festzelt.

Mittwoch, 26.05.2010 - Ruhetag - Ausflug Krimmler Wasserfälle

Die männlichen Recurve'ler hatten es mit ihrem Ruhetag am Besten von allen Klassen erwischt, denn sie hatten genau zwischen jeweils 2 Wettkampftagen ihren Ruhetag. Wir nutzen den Ruhetag für einen Familienausflug zu den Krimmler Wasserfällen. Ein wirklich beeindruckendes Naturschauspiel. Hundert Meter hohe Wasserfälle, die sich tosend in die Tiefe stürzten. Wir brachten an diesem Tag 600 Höhenmeter zu Fuß hinter uns. Oben  auf ca. 1600m angekommen erwartete uns eine Jausenstation, wo wir uns erstmal eine anständige Brotzeit gönnten, bevor wir den Rückmarsch antraten. Am Abend trafen wir die üblichen Verdächtigen (Andreas und Stefan) im Festzelt zum Free-Archer-Stammtisch. Dort erfuhr ich von Bogdan, dass er sich bei den Langbogen-Veteranen, der "Fossilien-Truppe", bis auf Platz 3 vorgekämpft hatte. Respekt!!

Die 5 Steinböcke
(Copyright: Klaus Störmann)

Donnerstag, 27.05.2010 - 3.Turniertag - Parcours "Bogendorf" - Doppelhunter-Runde

An diesem Tag stand die Doppelhunter-Runde auf dem Programm. Eine Runde, die ich zuletzt bei der DM Bowhunter 2009 geschossen hatte. Es mussten 2 Pfeile aus verschiedenen Distanzen auf ein Ziel geschossen werden. Hört sich leichter an, als es war. Der Parcours war mir bereits aus dem letzten Jahr in weiten Teilen bekannt und ich wusste, wenn es, wie angekündigt, das Regnen anfängt, wird es extrem schwierig. So kam es auch. Die Trampelpfade im Parcours verwandelten sich Ruck Zuck in glitschige Rutschbahnen. Die erste Hälfte vom Turnier war ich punktemäßig sehr gut unterwegs. Dann kam der Regen und mein Sturz. Den Regenschirm in der einen Hand, den Bogen in der anderen Hand rutschte ich auf einen solchen glitschigen Trampelpfad aus und schlitterte 3m nach unten. Ich hatte noch instinktiv meinen Bogen nach oben gehalten, weil ich mir wohl dachte, lieber ein paar Schürfwunden, als einen kaputten Bogen. Der Bogen überlebte, die Haut an meinem Ellebogen weniger. Der Schock saß tief. Meine rechte Seite und mein Rucksack waren voll Schlamm. Thomas, der Engländer in meiner Gruppe, reichte mir freundlicherweise sein Handtuch, sodass ich mich wenigsten notdürftige Säubern konnte. Das nenne Kameradschaft unter den Bogenschützen. Danke Thomas. Nach dem Sturz schoss ich 3 Outs in Folge und ihn mir stieg so langsam die Wut empor. Ich wollte den Tag nicht verloren geben. Tier um Tier kämpfte ich mich vom mittlerweile letzten Platz in Gruppe wieder auf den 3.Platz vor und beendete den Tag mit 234 Punkten. Mein Kampfeswille sollte belohnt werden, denn  einige der Schützen vor mir hatten wohl keinen guten Tag erwischt, sodass ich mich um 6 Plätze auf Platz 107 vorgearbeitet hatte. Auch Klaus hatte sich verbessert und belegte den 176.Platz. Am Abend trafen wir noch Bogdan, der etwas traurig guckte, den er konnte seinen 3.Platz am letzten Tag nicht verteidigen und mußte sich mit dem 5.Platz zufrieden geben. Die Frauen krönten ihn dennoch zum "Europameister der Herzen". Hipp Hipp Hurra.

Freitag, 28.05.2010 - 4.Turniertag - Parcours "Fila" - Hunterrunde

Vierter und letzter Turniertag. Es ging auf den Rentner-Parcours "Fila". Warum "Rentner-Parcours"? Weil er im Vergleich zu den Parcours an den anderen Tagen, eben wie ein Brett war. Ein paar kleinere Hügelchen, sonst nur flach. Ein Parcours, der mir eigentlich liegen sollte. Aber wie so oft. Erst kommt es anders und zweitens als man denkt. 1.Ziel, ein liegender Panther auf 35m. Kein Problem dachte ich, liegt in meinem Schussbereich. Konzentriert, gelöst und ...... drüber. Fing ja schon toll an. Nach dem 1. Ziel kam auch gleich die Labestation (bei uns Dopingstation genannt). Also nochmal sammeln. Beim darauf folgenden stehenden Bären schoss ich ein "Frauenkill", während die anderen aus meiner Gruppe fast alle saubere Kills schossen. Was war mit mir los? Außer ein paar Highlightschüssen zwischendurch, fiel mein Ergebnis immer weiter ab. Nach 3 Outs hintereinander war der Tiefpunkt erreicht. Ich versuchte mich zu sammeln. Einige Schützen in meiner Gruppe hatten ein paar aufmunternde Worte für mich, was mich sehr freute. Nach der 2. Labestation packte mich wieder die gleiche Wut, wie am Vortag nach dem Sturz und den 3 Outs. Ich schoss mich in den Wettkampf zurück. Beim weißen Wolf schoss ich sogar auf über 40m ein sauberes Centerkill. Meine Punkte wurden wieder besser. Und dann kurz vor Schluss das Malheur. Ein Reh Gruppe 3. Ich schau auf die Tafel registriere die "3" und als ich am Pflock stehe, ist in meinem Kopf nur noch die Zahl "2". Angelegt und 40 cm drüber in den Baum!!!! Ich hab keine Ahnung, was ich mir dabei gedacht hatte. Ich tippe einfach darauf, dass ich nach 4 Tagen konditionell am Ende war und die Konzentration auch. Am Schluss verbuchte ich 233 Punkte. Auf dem Weg zum Festzelt verabschiedete ich mich schon innerlich von meinem Klassenziel "Die ersten 50% in meiner Klasse". Ich hatte zwar die 1300 Punktehürde geknackt, aber würde es reichen? Mit dem Bus fuhr ich zum Zelt zurück und traf auf Klaus, mit dem ich verabredet war. Auch für Klaus war dieser Tag nicht optimal verlaufen. Es hieß Ausharren bis zum Abend. Nach einer erfrischenden Dusche und einem leckeren Abendessen wurden wir von Klaus und Martina abgeholt und es ging zurück ins Festzelt, wo am Abend die Siegerehrung stattfinden sollte. Am Eingang waren die Ergebnislisten ausgehängt und ein kurzer Blick verriet mir, dass ich mich trotz bescheidenen Ergebnisses noch auf Platz 103 verbessert hatte. Welch Überraschung. Um 5 Punkte die TOP 100 verpasst, aber egal ,das musste gefeiert werden. Auch Klaus hatte sich verbessert und belegte am Ende Platz 154. Also doppelter Grund zum Feiern. Bei Livemusik schüttelten wir tanzender Weise die Anspannung ab und gegen 0:30 Uhr ging es dann ins Bett. Am nächsten Morgen stand die Heimreise an.

Nachwort

Die EBHC 2010 war für mich eine wertvolle und schöne Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Ich habe viele nette Leute aus verschiedenen Nationen kennen gelernt. Die Atmosphäre war und ist unbeschreiblich. Während ich diese Zeilen schreibe, füllt sich mein Kopf wieder mit all diesen Bildern und Eindrücken, als wäre es gestern gewesen. Ich freue mich jetzt schon auf die vielen CDs mit den Bildern der anderen Fotografen. Vielen Dank an alle, die mir ein unvergessliche Erlebnis beschert haben. 

Wir sehen uns zur EBHC 2012 in Italien!!!!

Euer Jürgen

Mittwoch, 2. Juni 2010

 
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