Es war einmal .....

..... ein Wurfarm.

Der wollte zum Wellness-Urlaub nach Oregon in die USA, um sich von einem bekannten Bogenbauer aufbereiten und streicheln zu lassen. Doch, wie sollte er das alleine schaffen??? Also bat er sein Herrchen, ihn doch per Post nach USA zu schicken. Sein Herrchen hatte grad nix zu tun und rief geschwind beim Zoll an, da er sicher gehen wollte, dass dieser Urlaub, bis auf die Reisekosten, kostenlos bleibt. Der freundliche Herr vom Zollamt erklärte ihm, er müsse online eine Internet-Ausfuhranmeldung machen, diese müsste am Ende ausgedruckt und unterschrieben zum Zollamt gebracht werden. Diese wäre seit dem 1.7.2009 Pflicht, also diese Online-Geschichte. Ich fragte ihn, wie es Personen machen, die keinen Internet, PC und/oder Drucker besitzen? Seine Antwort war ein telefonisches Schulterzucken. Egal, soweit so gut. Als PC-Profi mit der richtigen Ausrüstung sollte das ja auch kein Problem darstellen. Das Herrchen ging also in das Internet und rief das besagte Formular auf. Als 1. wurde nach der Ausfuhr gefragt. "Ausfuhr in EFTA-Land" oder "Drittland (nicht EFTA)". EFTA????? Ein kurzer Blick in Wikipedia half. "EFTA heisst European Free Trade Association". USA war ein Drittland. OK. Als nächstes das Verfahren: Hmmmm. "Zweistufiges Normalverfahren", "Zweistufiges Normalverfahren mit Antrag gem. §9 Abs. 2 AWV ", "Einstufiges Normalverfahren Warenwert <= 3.000 EUR" oder "Einstufiges Normalverfahren (Art. 791 ZK-DVO) ". Skeptisch Ich nahm einfach das Erste. Keine Ahnung warum. War eben ein Bauchgefühl. Es folgten dann leichte Fragen wie Empfänger/Anmelder, Fragen nach dem "Grenzüberschreitenden aktiven Beförderungsmittel", "dem Verkehrsmittel", "der Beförderungsroute", "den Lieferbedingungen (Incoterm)", .... Alles Fragen, die jeder mit einem Fingerschnips beantworten kann, der schon mal beim Zoll und der Post gearbeitet hat. Aber nun saß ja da ein Normalsterblicher vor dem Formular. Unheimlich hilfreich waren da die Auswahl Popups. Besonders die zur Art des Geschäftes. War es nun "Warensendung zur Lohnveredelung; ausgenommen die unter den Schlüsselnummern 71 und 72 zu erfassenden Warensendungen " (Anm.: 71 ist Militärisch und 72 ist Airbus-Programm) oder "Warensendungen zur und nach Reparatur". Ihr habt es schon geahnt. Es ist Ersteres. War doch sonnenklar. Es folgte belangloses Zeug wie Warenbezeichnung und Warennummer. Warennummer???????? Na klar, steht doch auf jeder Ware drauf. Hmmm. Ich geh dann mal suchen....... Nix gefunden. leicht weinend Ein Anruf beim Zollamt klärte das Verwirrspiel. Es handelt sich um die Warennummer, die der Zoll vergibt, um die Waren zu klassifizieren. Wow! Sie lautet "95069990" für Sportbogen. Also gut merken. Dann wurde noch kurz das Verfahren abgefragt. Das ging recht schnell, weil der freundliche Zollbeamte mir dabei half. Es ist eine "vorübergehende Ausfuhr im Rahmen der passiven Veredelung", der das Verfahren "Gleichzeitige Überführung in den zoll- und steuerrechtlichen freien Verkehr ohne steuerbefreiende Lieferung" vorausgeht. Ahja. Klar. Stand heute morgen in meinem Kaffeesatz. Fertig. endlich konnte ich "Speichern" drücken. Es klappte auf auf das 1. Mal. Der Zollbeamte erzählte mir, das manche Leute bis zu 3 Tage brauchen würden, sowas auszufüllen. Kann ich irgendwie nicht nachvollziehen. Mir war alles superklar. Skeptisch

Also den wellnesssüchtigen Wurfarm und die Zollpapiere eingepackt und ab zum Zollamt. Dort wurde das Herrchen freundlich empfangen, wenn auch mit etwas staunenden Augen, da ja noch niemand von den dort heimischen Beamten einen Wurfarm gesehen hatte. Er wurde sogleich fotografiert und dann sagt man dem Herrchen, er könne ihn jetzt einpacken, damit das Paket verplombt werden kann. Schockiert Wie???? Einpacken????? Naja, Karton und so....... Herrchen hat nix bei und der arme Wurfarm guckte schon leicht traurig. Einer der freundlichen Zollbeamten hatte plötzlich die grandiose Idee. Unten im Lager wäre doch noch alte Kartons. Also ab in den Keller gedüst, Wurfarm in Luftposterfolie eingewickelt und in Karton eingepackt. Wieder nach oben, wo sich der Zollbeamte über die Papiere machte und Herrchen währenddessen viele Fragen über den Bogensport beantworten durfte. Dann waren die Papiere fertig und der Karton bekam sein Schleifchen mit der Plombe. Nochmals freundlich bei allen bedankt und schönes WE gewünscht. Ab zur Post. Cleverer Weise hatte Herrchen ja schon eine Paketmarke besorgt und aufgeklebt. Herrchen ging also zum Schalter. Die nette Frau dahinter betrachtete das Paket skeptisch und zückte ein Maßband. Schockiert Was wollte sie denn damit????? Sie nahm die Maße und teilte mir lächelnd mit: "Das geht aber nicht mehr als Päckchen durch." Was???? Schockiert Sie sagte: "Naja, die maximale Länge darf höchsten 60 cm sein, das Paket hat aber 68 cm. Also ist es ein Paket." Auf die Frage, ob man die 13,90 Euro für das Päckchen, die Herrchen ja schon bezahlt hatte, verrechnen könnte, antwortete sie kaumgummikauend: "Neee, da müssen sie das volle Porto bezahlen, also 35 Euro." Herrchen's Mund wurde auf einmal ganz trocken. Zähneknirschend bezahlte er und ging von Tannen. Was für ein bescheidener Tag. Zu seiner Freude fand er auch noch ein kleines nettes Zettelchen hinter dem Scheibenwischer, welches Herrchen unmissverständlich klarmachte, dass er sein Auto ohne Parkschein geparkt hatte. Klar, er wollte ja nur das Paket abgeben, was normalerweise nur 2 Minuten dauert. Schimpfen Es wurden 15 min daraus.

Aber was soll's. Heute ist ja nur Freitag, der 13. und der Tag geht zu Ende. "Wurfarm" ist jetzt auf seinem Trip nach USA........ Alles ist gut, bis in 3 Wochen......

Freitag, 13. November 2009