Bogenbau-Wochenende bei Ralph

Letztes Wochenende war es endlich soweit, Dagmar und ich traten endlich unsere lang ersehnte Reise nach Solingen zu Ralph Hellhammer an, um unseren ersten glasbelegten Bogen zu bauen. Ich hatte Dagmar diesen Workshop zum Geburtstag geschenkt, weil sie schon lange von einem neuen Bogen träumte. Was lag da also näher, als ihn auch noch selbst zu bauen. So konnte sie den Bogen ihren Vorstellungen gemäß fertigen. Sie entschied sich für einen One-Piece-Recurve und ich für einen Langbogen im Deflex-Reflex-Design.

Freitag, 20.05.2011

Um 7:30 Uhr war der Startschuß. Wir fuhren mit dem Auto nach Bamberg, um uns mit Armin zu treffen, der sich ebenfalls zu diesem Workshop angemeldet hatte. Schnell alles in Armin's Transporter umgepackt und los gings. Nach ca. 4,5 Stunden Fahrt und einer Kaffeepause kamen wir gegen 12:30 Uhr gut gelaunt in der Werkstatt von Ralph in Solingen an. Nach kurzer Begrüßung durch Ralph und Christian ging es gleich ans Eingemachte. Dagmar testete einige Prototypen (RC mit statischen Recurves und RC mit dynamischen Recurves) um ihr Wunschzuggewicht und Design zu finden. Währenddessen macht ich mich schon mal auf die Suche nach einer schönen Holzkombination. Nach meinen Vorstellungen sollten es helle Hölzer sein, die zu Eibe-Wurfarmen passten. Ich fand ein schönes rotes Padouk mit hellem Splint und verliebte mich gleich darin. Nach einigen Probeschüssen entschied sich Dagmar für den Bogen mit den statischen Recurves, da sie damit ein höheres Zuggewicht schiessen kann. Ich hatte meine Entscheidung für den Pharao, einen Langbogen-Hybriden bereits vorher getroffen. Dagmar wählte aus den Hölzern eine sehr schöne Kombination aus Nussholz und Palmholz mit Eibe-/Padouk-Zierstreifen aus. Nun ging es ans Verkleben und Aussägen des Griffstückes. Während Dagmar klebte, war ich bereits an der Kalibrierschleifmaschine, um das Holzstück gleichmäßig abzuschleifen.



Dann an die Bandsäge, um meine Griffform grob auszusägen. Ich mußte ja nicht kleben, da mein geplantes Griffstück bereits aus 2 Farben bestand. Dagmar's Griffstück kam dann noch 3 Stunden bei 70 Grad in die Temperbox zum Aushärten. In der Zwischenzeit trafen die anderen Kursteilnehmer Peter und Jan ein. Auch Ulf mit seinen 2 Söhnen kamen schwer bepackt mit Werkzeug in der Werkstatt an. Man begrüßte sich herzlich und weiter ging es mit dem Tageswerk. Ralph zeigte mir kurz, wie ich mein Griffstück an der Oberfräse in die perfekte Form bringe.


Danach war Dagmar dran, da ihr Griffstück zwischenzeitlich ausgehärtet war. Mit den fertigen Griffstücken ging es dann ans Verleimen der Wurfarme. Erst wurden die Gläser zurechtgeschnitten, gereinigt, abgeklebt und in die Form gelegt, danach die Eibefurniere, dann das Griffstück und anschließend nochmal Eibefurnier und Glas. Zum Schluß wurden die Schraubzwingen angebracht und dann ging es ab in die Temperbox. Zeit für Bier und das legendäre Chili von Ralph.



 
In den Pausen immer wieder das eine oder andere Schwätzchen und Fachgespräch und natürlich auch das eine oder andere Bierchen. Ziemlich kaputt ging es dann gegen 23:30 Uhr ins Bett. Die Anderen werkelten noch bis 1 Uhr früh.

Samstag, 21.05.2011

8 Uhr. Brötchen geholt und erstmal gemeinsam frühstücken bevor es um 9 Uhr ans Werk ging. Die Bogen waren natürlich in der Zwischenzeit ausgehärtet und mußten nun erstmal ausgepackt, abgeschliffen und auf die richtige Breite gebracht werden.


Also wieder ran an die Kalibrierschleifmaschine. Mit jedem Schleifgang näherte sich mein Bogen immer mehr seinem entgültigem Aussehen. Nach dem Schleifen klebte ich noch den "Bürzel" auf das Griffstück, der als Auflage für die Bogenhand dient. Wieder 3 Stunden in die Box zum Aushärten. Danach abschleifen und grob die Handmulde und das Bogenfenster ausgeschnitten. Nun ging es daran die Wurfarme in ihre Form zu bringen. Dazu wurde die Mitte angezeichnet und dann 2 Linien vom FadeOut zu den Enden. Die Wurfarme sollten sich von 36 mm auf 12 mm verjüngen, um am Ende das Zuggewicht von 50#@30,5" zu haben. Nun ging es an den wohl schwierigsten Teil des Bogenbaus. Das Sägen und anschließende Schleifen der Wurfarme. Hier muß man höllisch aufpassen. Nahm man zu wenig weg, hat der Bogen zuviel Zuggewicht, was man zum Glück noch korrigieren kann, aber nahm man zuviel weg, dann wars das mit dem Wunschzuggewicht. Bei mir ging alles soweit gut. Meiner hatte nach dem Anbringen der Tips und dem Schleifen ein Zuggewicht von ca. 47/48# bei meinem Auszug, was völlig ok war. Pause war angesagt. Wir hatten für alle Coburger Bratwürste mitgebracht, die nun über einen schönen Osage-Feuerchen brutzelten. Dazu, was sonst, das eine oder andere Bierchen. Gesättigt ging es dann bewaffnet mit Raspel, Feile und Schleifpapier an die Feinarbeiten für das Griffstück. Dagmar brachte ihren Bogen ebenfalls in die Form, damit er bis zum nächsten Tag aushärten konnte.

 
Ich klebte am Schluß noch meine Overlays auf das Griffstück und dann ging es langsam ins Bett. Es war bereits 23 Uhr.



Sonntag, 22.05.2011

Wie am Tag zuvor, 8 Uhr Frühstück und um 9 Uhr Arbeitseinsatz. Dagmar's Bogen war heute dran. Bei Dagmar war die Sachlage komplizierter, als bei mir am Tag zuvor. Ralph hatte für ihren Bogen mit Wunschzuggewicht 30#@25" keine Berechnungen parat und so hatte er am Samstag alles grob neu berechnen müssen. Wir waren gespannt, was die Bogenwaage nach dem Sägen und Schleifen der Wurfarme ergeben würde. Gespannt schauten wir auf die Waage und sie zeigte 40#. Mist, 10# zuviel. Nun war der Profi gefragt. Dagmar würde es nie schaffen die 40# zu ziehen. Er sah sich den Bogen genau an, ging an die Schleifmaschine, an die Zugwaage, an die Schleifmaschine, wieder an die Zugwaage,..... Dann ein Grinsen. Die Waage zeigte 31,5#@25". Dagmar war dennoch skeptisch, kam sie doch ursprünglich von einem Zuggewicht um die 25#"!!! Alle waren gespannt. Bogen in die Hand genommen, ausgezogen und siehe da, sie konnte die 31,5# ohne Mühe in den Anker bringen. Erstaunen war in ihren Augen, aber auch Begeisterung, als sie den ersten Pfeil löste und dieser mit einem Wumms in die Strohscheibe donnerte. Wow, welch ein Bumms für so ein "kleines" Zuggewicht. Alle waren mehr als zufrieden. Der Rest des heutigen Tages war geprägt von Schleifarbeiten um das Griffstück perfekt auf die Hand anzupassen. Ein langwieriger Job. Feilen, schleifen, probieren,... So ging das über Stunden.




Schließlich saß der Bogen wie angegossen und man konnte dem Bogen das letzte Schleiffinish verpassen. Angefangen mit 120er Schleifpapier, über 240er, bis zum 320er Schleifpapier. Es mußte einfach alles geschliffen werden. Als letzter Akt dann noch die Schutzfolie von den Wurfarmen gepopelt und mit 400er Schleifpapier angerauht.


Gereingt ging es dann zum letzten Schritt des Bogenbaus, dem Lackieren. Verwendet wurde dazu ein schnelltrocknender 2K-Lack. Nach dem Auftragen der 1.Schicht nochmals schleifen und dann wieder zum Lackieren.

 

Gegen 20 Uhr waren unsere Sahnestückchen endlich fertig. Und ich muß gestehen, uns war das Grinsen und der Stolz nicht aus dem Gesicht zu bekommen. Als absolute Bogenbau-Neulinge waren uns 2 sehr schöne Bogen gelungen. Hätte ich vorher nicht gedacht. Ohne die fachmännische Unterstützung von Ralph, Christian und Ulf wäre es auch nicht möglich gewesen. Deshalb möchten wir uns an dieser Stelle bei Ihnen ganz herzlich für ein wundervolles Wochenende bedanken. Ihr habt einen super Job gemacht. Gegen 21 Uhr ging es dann Richtung Heimat. Es war etwa 3 Uhr in der früh bis wir erschöpft ins Bett fielen.

Und hier sind sie nun, unsere Sahnestücke:





Ich hoffe, euch hat der Bericht gefallen und den/die Eine(n) oder Andere(n) ermuntert, ebenfalls so einen Workshop mitzumachen. Wir werden auf alle Fälle zu Wiederholungstätern. Das ist gewiss.

Ein kleiner Nachtrag. Wenn man so einen Bogen mal selbst baut, lernt man die Arbeit der Bogenbauer sehr zu schätzen. Ich bewundere den Enthusiasmus dieser Leute. Achja, es gibt neben dem Bogenschiess-Virus noch einen, den Bogenbau-Virus. Mich hat es jedenfalls voll erwischt.....

Euer Jürgen

Mittwoch, 25. Mai 2011