EBHC 2012 in Castione della Presolana - Das Tagebuch

Die European Bowhunter Championship (EBHC) 2012 in Castione della Presolana in Italien ist vorbei. Nach einer Erholungswoche am Lago d' Iseo ist es nun Zeit die einzelnen Tage dieser Meisterschaft Revue passieren zu lassen.


Sonntag, 24.06.2012 - Die Anreise und Bogenkontrolle

Dagmar und ich starteten um 8 Uhr am Morgen und kamen ohne Staus nach 8,5 h recht entspannt am Hotel Albergo Aurora an, welches wir bereits 1 Jahr zuvor günstigt gebucht hatten. Klaus und Martina erwarteten uns bereits und halfen uns bei Ausladen der vielen Gepäckstücke. Schnell das Zimmer bezogen und ab zur Bogenkontrolle. Außerdem war ja am frühen Abend noch der FA-Stammtisch geplant. Die Bogenkontrolle ging zügig und reibungslos vonstatten. Bereits hier konnte man eine perfekte Organisation der Italiener erkennen. Danach die Bogen wegpacken und ab zum FA-Stammtisch. Kaum hatten wir einen Tisch belegt trudelten die einzelnen FA'ler ein. Es kamen leider nicht alle, die sich angekündigt hatten, aber es wurde dennoch eine gesellige Runde. Klaus hatte als Erkennungszeichen eine FA-Fahne auf dem Tisch aufgebaut, sodaß jeder lesen konnte, wer hier saß. Nach 1 Stündchen brachen Klaus, Martina und ich zum Abendessen im Hotel auf. Danach ging es früh ins Bett. Die lange Fahrt hatte doch ziemlich geschlaucht.


Montag, 25.06.2012 - Trainingstag auf dem Monte Pora

Nach einem ausgiebigen Frühstück machten wir uns auf zum Trainingsparcours auf dem Monte Pora. Über lange Serpentinen schraubten wir uns hoch auf 1400 m bis zum Parkplatz. Der Parcours lag aber noch höher. Also mit der gesamten Ausrüstung in den Skilift und hoch ging es auf 1800 m. Oben angekommen hatte man einen fantastischen Ausblick auf die Berglandschaft ringsherum. Wir machten schnell ein paar Fotos und dann ging es los. Die einzelnen Ziele waren in einen Rundkurs gesteckt und forderten uns richtig. Ich hatte so meine Schwierigkeiten mit den weiten Zielen auf freier Fläche, welche sich erst nach 1-2 Stunden langsam legten. Der Trainingsparcours war sehr anspruchsvoll gesteckt und verlangt einem viel ab. Der Parcours war sehr stark frequentiert und meist im freien Gelände. Da wir überwiegend Sonne und ca. 29 Grad hatten, war das konditionell sehr zehrend. Erste Anzeichen dafür, was uns in den kommenden Tagen erwarteten sollte. Gegen 16 Uhr stiegen wir ab, um uns für die geplante Eröffnungsfeier zurecht zu machen. Treffpunkt war der Rathausvorplatz, von dem dann der Zug der Nationen durch Presolana aus gestartet wurde. Endpunkt war die große Sporthalle. Offizielle hielten kurze Reden und begrüßten die einzelnen Nationen und für die Sportler gab es kostenlose Getränke. Ich traf viele Freunde aus den anderen Ländern, mit denen ich vor 2 Jahren in Österreich geschossen hatten. Es war wie ein großes Familientreffen.


Dienstag, 26.06.2012 - 1. Turniertag - Grüner Parcours

Ich muß zugegeben, ich war ziemlich aufgeregt. Endlich ging es los. Ich wollte alles besser machen, also 2 Jahre zuvor. Hatte viel trainiert und war guter Dinge. Der grüne Parcours lag auf 1612 m und konnte nur mit dem Lift erreicht werden. Ich hatte die Gruppe 28 und somit das Glück, es nicht allzu weit zum Ziel zu haben, denn es lag direkt neben der Bergstation. Meine Gruppe bestand aus Schweizern, Italienern und Österreichern. Eine bunte Mischung. Pünktlich um 9 Uhr ging es los. Ich kam ganz gut rein. Der Parcours war irgendwie genau nach meinem Geschmack. Wir hatten Glück mit dem Wetter, es blieb die ganze Zeit bedeckt und es ging ein leichter Wind. Der Parcours war traumhaft gesteckt. Kurze und weite Ziele im Wechsel in einer wunderschön gelegenen Berglandschaft. Ich schloß den Tag ohne Nullrunde mit 460 Punkten ab, was mir am Ende des Tages Platz 65 einbrachte. Ich war also voll auf Kurs.


Mittwoch, 27.06.2012 - 2. Turniertag - Roter Parcours

Der Parcours lag auf der gegenüberliegenden Seite zum Einschießgelände und war größten Teils im Wald. Lediglich 4 Ziele waren auf der Wiese gestellt. Ich hatte aufgrund meiner Platzierung vom Vortag die Gruppe 10 und mußte daher nicht allzu weit laufen. Wir waren eine lustige Truppe, aber am Besten verstand ich mich mit Ronny aus Dresden, der das Turnier im Robin-Hood-Gewand schoß. Sah toll aus. Wie üblich hatte ich auf den ersten paar Ziele so meine Aufwärmphase, danach wurde es immer besser. Der Parcours war sehr anspruchsvoll gestellt und täuschte mit seinen Licht-und-Schattenspielen oftmals die Einschätzung der Entfernung. Dennoch lief es bei mir wie gewünscht. Ich lieferte mir sogar mit Ronny ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den 1. Platz in der Gruppe. Es machte richtig Spaß. Vor dem letzten Ziel stand ich bei 456 Punkten. Ich sagte mir: "Einen letzten guten Schuß und der Tag ist perfekt." Das Ziel war ein Steinbock (Kategorie I) auf ca. 45 m. Er stand auf freiem Feld in einer Senke. Ein Schuß, den ich schon x-mal gemacht hatte. Ich löste und ich sah: Nichts... Wo war der Pfeil hingegangen? Tief? Hoch? Ich hatte keine Ahnung. Keine gute Voraussetzung für einen intuitiven Schützen, der zur Kontrolle seines Schusse ja den Pfeilflug sehen muß. Die Rückmeldungen aus meiner Gruppe waren widersprüchlich, nutzten mir also nichts. Also ca. 5 m vor zum 2. Pflock. Beim 2. Schuß das gleiche Spiel. Ich sah aufgrund der Lichtverhältnisse den Pfeilflug nicht. So ne K...ke.... Ein weiterer Blick durch das Fernglass brachte auch keine Erkenntnis. Ich sah meine Pfeile nicht. Sie konnten unter dem Ziel oder dahinter sein. Also vor zum 3. Pflock. Konzentriert und gelöst. Nachdem ich auch diesmal nichts sah und das erlösende Tocken nicht hörte, ging ich achselzuckend zurück zur Gruppe. Als wir später zur Trefferaufnahme nach vorne gingen, sah ich meine Pfeile unter dem Tier steckend auf Bierdeckelgröße zusammen. Ich hatte also 3x die Enfernung um 0,5 m zu kurz geschätzt. Da war sie also meine 1. Nullrunde, die mir neben meinen 1.Platz in der Gruppe auch noch 4. Plätze in der Gesamtwertung kostete. Am Ende Platz 69.



Donnerstag, 28.06.2012 - 3. Turniertag - Gelber Parcours

Ab heute wird es interessant, hab ich mir gedacht. Doppelhunter war angesagt. Hier konnte man viele Plätze gut machen oder aber auch viele verlieren. Gut gelaunt nahmen Klaus und ich unseren allmorgentlichen Cappucino zu uns. Wir mußten warten, bis alle anderen Gruppen weg waren, da wir zum gelben Parcours mit dem Bus gefahren wurden. Also liesen wir uns Zeit und genossen die wärmende Sonne. Heute würde es heiss werden. Ein Glück, dass unser Parcours komplett im Wald verlief. Nach einer 1/4 Stunde kamen wir dort an und machten uns sofort auf zu unseren Startzielen. Der Parcoursverlauf brachte mich schon zu Anfang ins Schwitzen. Das konnte ja was werden. Zu Turnierbeginn versammelte unser italienischer Targetcaptain uns alle wie die kleinen Kinder um sich und wollte uns die Spielregeln erklären. Geht's noch, dachte ich mir. Wir sind hier auf einer Meisterschaft. Ich war etwas angenervt. Ich war 1. Schreiber und mußte somit wenigstens keine Pfeile suchen oder ziehen, was ich lieber getan hätte, wenn man bedenkt, was ich an diesem Tag als Schreiber alles mitgemacht habe. Los ging es am 4. Ziel: 2 Eulen in einem Baumstamm. Dort diskutierte man allen Ernstes mit dem Targetcaptain, ob ein Pfeil, der eindeutig im Backstopp (dem Baumstamm) steckte und lediglich am Ohr der Eule angelehnt war als Körpertreffer zu werten ist. Ich kriegte die Tür nicht zu. Es wurde als Treffer gewertet, weil die Linie um den Körper herum angekratzt war. Na gut, dachte ich mir. Da ich 1x daneben geschossen hatte, fragte ich nach meinem Pfeil. Erstaunte Gesichter sahen mich an. Alle waren so mit Diskutieren beschäftigt, dass man vergaß mein Pfeil zu suchen. Die nachfolgende Gruppe stand schon am Pflock, sodaß man beschloß weiter zu gehen. Ein nicht ernstgemeintes Sorry vom italienischen Targetcaptain und weiter ging es. In mir stiegt die Wut hoch. Nicht gerade ideal für die Konzentration. Ich schoß solala. Kategorie-IV-Ziele, die ich die letzten beiden Tag fast nur Kill geschossen hatte, traf ich plötzlich überhaupt nicht mehr. Meine 4 kompletten Nullrunden war Ziele dieser Kategorie. Was war los? Ich hatte keine Ahnung. Dann die Truthähne. Alle, bis auf einen hatten mehr schlecht als recht getroffen. Bei der Trefferaufnahme wieder die gleiche Diskussion, wie bei den Eulen. Auch diesmal steckte der Pfeil im Backstopp und war am Bein angelehnt. Unser entscheidungsfreudiger Teamcaptain entschied: Treffer! Das Bein ist angekratzt. Ich schaut mir das als 1.Schreiber an und sagte: Das ist kein Treffer! Teamcaptain: Gruppenentscheidung! Wieder wurde dieser Schuß als Treffer gewertet. Nach dem Ziehen hätte man mit den Elektronenmikroskop die Stelle untersuchen müssen, um den Kratzer zu finden. Mein Solala ging weiter. Ich wunderte mich über garnichts mehr. Endlich kam das letzte Ziel: 2 liegende Rehe, etwas nach hinten gekippt, sodaß man den Boden des Zieles sah. Unser Gruppenerster durfte anfangen. Er machte 2 Schüsse und beiden genau von unten in den Boden des Tieres. Seine Pfeile lagen direkt auf der Erde auf. Wieder Diskussion und wieder wurde für Treffer entschieden. Es hätte auch ein Aufsetzer sein können, der nicht gezählt hätte, aber das wurde nicht mal hinterfragt. Mir war es langsam egal. Der Turniertag war rum und ich war müde. Achja, ich schoß übrigens an diesem Ziel mein einziges Superkill. Wenigstens ein versöhnlicher Abschluß. Am Ende standen 184 Punkte auf meinem Zettel, ein wahrlich peinliches Ergebnis. Ich möchte jetzt nicht den Eindruck entstehen lassen, dass mein schlechtes Ergebniss allein der Stimmung in der Gruppe und meiner daraus resultierenden schlechten Laune zu verdanken ist. Sicherlich trug es dazu bei, aber viel mehr war es meiner extremen Konzentrationsschwäche zuzuschreiben, dass dieser Tag schiefgelaufen war. Als wir mit dem Bus zurückkehrten, warteten schon unsere Mädels auf uns. Ein schöner Anblick. Weniger schön war allerdings der Blick auf die Platzierungsliste. Ich war um ca. 40 Plätze (!) auf Platz 106 zurückgefallen.



Freitag, 29.06.2012 - Pause

Heute hatten die BHR'ler ihren freien Tag und so beschlossen Klaus, Martina, Dagmar  und ich einen Ausflug nach Bergamo zu machen. Wir besuchten die Oberstadt, bummelten durch die Gässchen und liesen es uns gut gehen. Auf der Rückfahrt verbrachten wir noch 1-2 Stunden am Badefluss. Ein herrlich entspannender Tag.


 Samstag, 30.06.2012 - 4. und letzter Turniertag - Blauer Parcours

Hunterrunde! Mein Motto für diesen Tag: Maximaler Spaß! Das Turnier hatte ich bereits abgehakt und somit ging ich ganz entspannt in diesen Tag. Ich hatte diesmal 5 Italiener in meiner Gruppe, die allesamt gut drauf waren. Wir hatten einen heiden Spaß. Ich kam aus dem Lachen nicht mehr heraus. Die Schießergebnisse war auch ganz passabel, zwar nicht prickelnd hoch, aber ich war dennoch zufrieden. Mein geilster Schuß war: Freie Wiese bergab auf einen Hirsch, der auf ca. 54 m stand. Hingestellt, konzentriert, ausgezogen, gelöst..... Tock.... Superkill, aber was für eines. Exakt in das Zentrum. Besser hätte es ein Compunder auch nicht hinbekommen. Mein Schrei war sicherlich im ganzen Tal zu hören.. Am Ende des Tages hatte ich 180 Punkte stehen und Endplatzierung 109. Abends ging es dann noch mit Freunden zum Pizzaessen, danach nochmal kurz auf das Gelände. Wir wollten uns von allen verabschieden, denn es ging ja am nächsten Tag bereits weiter zum Lago d' Iseo, wo ich mit Dagmar noch ne weiter Woche verbringen wollte, um abzuschalten.

 

Fazit:

Die Italiener hatten mich überrascht. Das Turnier war top organisiert, die Parcours waren genial und abwechslungsreich gestellt. Das Gelände ein Traum. Ich hätte wir lediglich mehr Dopingstände gewünscht. 1 Stand pro Parcours ist zu wenig. Sehr gut und durchaus nachahmenswert war die Versorgung mit genügend kostenlosem Trinkwasser. An jeder 4. Station waren Wasserflaschen deponiert. Bei durchschnittlich 30 Grad in den Turniertagen eine willkommene Aktion. Daumen hoch dafür.

Ob ich in 2 Jahren in Frankreich dabei sein werde, kann ich nicht sagen. Ist ja auch noch etwas hin.

Euer Jürgen

Freitag, 13. Juli 2012